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Die kostbaren Tipps von Mag. Phil. Mario Enzinger der IFS Gewaltberatung wurden österreichweit online bei der Jahreshauptversammlung an alle Zeitpolster Helfenden und Teams übertragen und fanden großen Anklang.

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Sechste Zeitpolster Generalversammlung mit Fokus Gewaltprävention und Impulsvortrag!

Dornbirn, April 2024. Das geprüfte Sozialunternehmen Zeitpolster startete im Zuge der jährlichen Generalversammlung die neue österreichweite Initiative Gewaltprävention. Dazu war Mag. Phil. Marion Enzinger, Leiter der ifs Gewaltberatung vom Institut für Sozialdienste eingeladen, allen Anwesenden Einblick in die Praxis zu geben.

Mit der Kernfrage „Was brauchts, um gegen Gewalt vorgehen zu können?“, „Ab wann kann man von Gewaltanwendung sprechen?“, waren Zeitpolster Teammitglieder und Helfende in gleichem Maße dazu eingeladen, eigene Fragen zu stellen und ihre Erfahrungen zu berichten. Da die Zeitpolster-Helfer:innen bei ihren Betreuungseinsätzen bis dato keine Auffälligkeiten feststellen mussten, ging es in erster Linie um die professionelle Sensibilisierung und Schärfung der Beobachtungsgabe in einem konstruktiven Rahmen.

Gewaltbegriff mit subjektiver Komponente

Enzinger erklärte, dass jeder Mensch ein differenziertes Verständnis darüber aufbrächte, an welcher Stelle Gewalt beginnt und ab wann die Linie überschritten sei. Für die Festlegung des Gewaltbegriffs rät er dazu, diesen auf einer Skala zu bemessen. Diese hilfreiche Erkenntnis wird in Zukunft für alle weiteren Betreuungseinsätze eine wertvolle Grundlage bilden.

„Gewalttätige Menschen wenden so lange Gewalt an, bis man sie dabei unterbricht“, betonte Enzinger im Zuge des Vortrags. Zudem klärte er darüber auf, dass Gewalt kein Randschichten-Phänomen sei, sondern sich durch alle sozialen Gesellschaftsschichten ziehen würde. Handlungen oder Unterlassungen seien in gleichem Maß im Sinne der Gewaltanwen­dung zu definieren. Im Betreuungsbereich wäre das zum Beispiel dann der Fall, wenn älteren Menschen Medikamente verweigert und nicht verabreicht würden. Auch Isolation zähle dazu.

Ist Gewalt ein schambesetztes Thema?

Diese Frage aus den Reihen der Zuhörer wurde nach der Benennung von Risikofaktoren und Phänomenen gestellt. Demzufolge würde sich die Anwendung von häuslicher Gewalt oft unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit abspielen. In diesem Fall bestünde die einzige Handlungs­möglichkeit darin, Gesehenes anzusprechen und Hilfe anzubieten. Wünscht die betroffene Person keine Verbesserung ihrer Situation, darf nicht eingegriffen werde
Die Ausnahme dazu bilden lebens- und gesundheitsgefährdende Gewaltanwendungen, welche unverzüglich zur Anzeige gebracht werden müssen.  

Auf das Bauchgefühl vertrauen

Das Überprüfen von Faktoren, die zu Gewalt führen können, ist laut Enzinger eine Möglichkeit, um Warnsignale zu erkennen. Zeitpolster Regionalkoordinatorin Sabine Jochum-Müller sprach am Ende der Veranstaltung über die Dringlichkeit der Sensibilisierung auch im Sinne der Organisation. Sie bot allen Anwesenden an, sich jederzeit in der Leitstelle melden zu können, falls es zu Beobachtungen während der Betreuung käme. Es sei grundsätzlich nicht von Bedeutung, mit wem man darüber sprechen würde. Sehr wohl sei es aber wichtig, dass man reagiert und sich Hilfe holt, indem man mit anderen in Austausch geht.

Starke Beteiligung und große Begeisterung

Auch dieses Jahr fand die Zeitpolster Generalversammlung von Dornbirn aus österreichweit hybrid statt. Dazu dienten eigene Kontakt­adressen, welche ein schönes und teamübergreifen­des Miteinander möglich machten. Größere Gruppen trafen sich in Wien, Hollabrunn, Werfenweng, Saalfelden, St. Johann im Tirol, Axams, Ausseerland um der Versammlung online beizuwohnen. Zusätzlich kam es zu über 30 Teilnah­men von privaten Haushalten aus.

Prävention statt Intervention

Das Sozialunternehmen ist bestrebt, den Weg der Gewaltprävention noch ein großes Stück weiterzugehen: „Wir werden über die kommenden Jahre hinweg weiterhin daran arbeiten und die Öffentlichkeit an unseren Maßnahmen zur Gewaltprävention teilhaben lassen,“ spricht Gernot Jochum-Müller (Zeitpolster GF/Gründer). Geplant sei alle Zeitpolster-Helfer:innen großflächig zu informieren und zu schulen. Vorab erhalten alle Teams Kontaktadressen der jeweiligen Opferschutzeinrichtung für die Regionen, um den von ihnen betreuten Personen die Möglichkeit zu geben, schwierige Situationen anonymisiert zu besprechen.

Information zu Zeitpolster
Im Jahr 2018 in Vorarlberg gegründet, ist Zeitpolster ein geprüftes Sozialunternehmen, das österreichweit Helfende an Menschen mit Betreuungsbedarf vermitteln. Angeboten werden einfache Tätigkeiten wie Einkaufen gehen, Gesellschaft leisten, zum Arzt begleiten oder im Haus und Garten unterstützen. Das Besondere bei dieser Organisation ist, dass Helfende ihre Stunden gutgeschrieben bekommen für später, wenn sie selbst einmal Hilfe brauchen. Immer mehr Österreicherinnen und Österreicher sind von diesem Konzept überzeugt: 2023 waren bereits 1050 Helfende in 37 Zeitpolster-Gruppen in ganz Österreich rund 51.800 Stunden im Einsatz.

Mehr über Zeitpolster


Daten und Fakten

  • Aktuell ist Zeitpolster mit Teams in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und in Wien vertreten
  • Über 1000 Menschen engagieren sich bereits bei Zeitpolster
  • Die Zeitpolster Helfer:innen haben schon 50000 Stunden für ihre eigenen Betreuung angespart
  • Insgesamt profitierten schon über 900 Personen durch Betreuung von Freiwilligen bei Zeitpolster
  • Die Altersspannbreite der helfenden Personen bewegt sich zwischen 38 – 75 Jahren mit Schwerpunkt 55+
  • Altersspannbreite der betreuten Personen: 5 – 98 Jahre mit großer Bandbreite durch Kinderbetreuung, Menschen mit Beeinträchtigungen – Schwerpunkt liegt in der Unterstützung von älteren Menschen und Bekämpfung der Einsamkeit in unserer Gesellschaft
  • Einsatzfelder sind einfache alltägliche Hilfsdienste: Fahrdienste und Begleitungen, administrative Hilfe, Hilfe im Haushalt und Garten, Freizeitaktivitäten, einfache handwerkliche Hilfe, Freiräume für pflegende Angehörige schaffen, Kinderbetreuung
  • Alle Betreuer:innen bekommen für ihren Einsatz Stunden auf einem Zeitkonto gutgeschrieben und können diese später bei eigenem Bedarf jederzeit einlösen!