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Der ORF Wien berichtet über Zeitpolster – wie man Stunden ansparen und dabei anderen Menschen helfen kann.

Kein Geld: „Zeitpolster“ als Tauschgeschäft

Im neuen Netzwerk „Zeitpolster“ in Wien lautet das Motto „Zeit statt Geld“. Menschen helfen Menschen, meist Senioren. Die Helfer „sparen“ Stunden an und bekommen in diesem Zeitausmaß später einmal selber Hilfe.

Es ist eine Art Tauschgeschäft: Heute helfe ich, morgen wird mir geholfen. Das ist, vereinfacht gesprochen, das Motto des Netzwerkes „Zeitpolster“. Typische Hilfen sind zum Beispiel einkaufen gehen, jemanden zum Arzt oder Friedhof begleiten, eine kleine Reparatur, Vorhänge waschen, Rasen mähen oder Hilfestellung am Computer. „Wir sehen uns als ergänzendes Angebot zu professionellen Hilfestellungen“, erklärte die Regionalkoordinatorin von Zeitpolster Wien, Sabine Gruber.

Mann spricht mit Frau beim Bügeln

Zeitpolster GmbH

Bügeln, Rasen mähen, Reparaturen – bei „Zeitpolster“ geht es um eine Art Tauschgeschäft

Helfer sind haftpflicht- und unfallversichert

In Wien gibt es bereits 100 Helfer, weitere werden gesucht. Die meisten sind kurz vor der Pensionierung oder frisch in der Pension. Im Grunde kann es jeder machen, „aber es ist besonders interessant für Menschen die sagen, ich bin jetzt noch fit, ich möchte noch was sinnvolles tun und ich leg mir eben auch ein Zeitpolster an und ich kann später dann Stunden einlösen, wenn ich selber Hilfe brauche“, meinte Gruber.

Der Unterschied zu ehrenamtlichen Helfern ist, dass man selber auch einmal Hilfe bekommt. Die Helfer sind für die Dauer ihrer Tätigkeit haftpflicht- und unfallversichert. Melden können sich Menschen mit einwandfreier Strafregisterbescheinigung, um auch die Qualitätskriterien sicher zu stellen. Eine Pflegeausbildung ist nicht erforderlich, da es sich bei der Betreuung um Alltagstätigkeiten handelt.

Frau und Mann mit Lampe

Zeitpolster GmbH

Eine Pflegeausbildung ist nicht erforderlich

In ORF-Sendung „Österreich kann“ vorgestellt

Derzeit nehmen in Wien 20 Menschen Hilfe von „Zeitpolster“ in Anspruch. Da sie noch kein Zeitguthaben ansparen konnten, bezahlen sie acht Euro pro Stunde. Nach der Anlaufphase zahlen Mitglieder fünf Euro pro Monat an den Verein und bekommen Hilfe entsprechend ihres Zeitguthabens. Damit dieses Guthaben auch über viele Jahre abgesichert ist, zahlt der Verein in einen „Notfalltopf“ ein. Womit gewährleistet ist, dass der Einsatz der Freiwilligen keinesfalls umsonst ist. Sollte in Zukunft niemand gegen eine Zeitgutschrift aktiv werden wollen, können so Betreuungsleistungen zugekauft werden.

„Zeitpolster“ ist laut Gruber ein Mehrgenerationenmodell und wird von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert. Es kommt ursprünglich aus Japan und wird in der Schweiz seit fünf Jahren erfolgreich umgesetzt. Neben Wien wird es derzeit auch in Nieder- und Oberösterreich, Kärnten und Vorarlberg aufgebaut. Ziel des Netzwerkes ist, die Zeitvorsorge als zusätzliche Säule der Altersvorsorge in ganz Österreich zu etablieren. Das Projekt sorgte auch schon auf österreichweiter Bühne für Aufsehen. In der ORF-Sendung „Österreich kann“ wurde das Projekt aus 250 als eines der zehn tollsten ausgewählt und am Nationalfeiertag vorgestellt.

Petra Jezek; wien.orf.at

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Publiziert am 24.02.2019

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